Ein Jahr vor dem «Global AI Summit 2027» in Genf stellt die Schweiz die Weichen für ihre digitale Zukunft. Am digitalswitzerland forum 2026 in der BernExpo kamen über 200 Führungspersönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung zusammen. Bundesrat Albert Rösti präsentierte die politische Vision des Bundes für Genf 2027 und sprach sich für eine pragmatische, innovationsfreundliche KI-Regulierung aus.
Das digitalswitzerland forum 2026 fand als einer der offiziellen Events vor dem AI Summit Geneva 2027 und auf der «Road to Geneva» gestern in Bern statt. Bundesrat Albert Rösti betonte die Chancen der KI und die Rolle der Schweiz als Gastgeberin des Summits: «Der Geneva AI Summit 2027 ist eine riesige Chance für die Schweiz. Entscheidend ist, dass wir diese Chance jetzt nutzen: Die Grundlagen stehen, die Finanzen sollten zusammenkommen und die Organisation läuft. Die Ambitionen der Schweiz sind keineswegs zu klein. Wir setzen bewusst auf eine hochkarätige Konferenz mit den massgebenden Fachleuten und Entscheidungsträgern aus verschiedenen Ländern, um echte inhaltliche Ergebnisse zu erzielen.»
Bezüglich der Regulierung plädierte der UVEK-Chef für den bewährten «Schweizer Weg»: «Quer über alles ein sehr strenges Gesetz birgt die Gefahr, dass es uns zwar schützt, aber gleichzeitig die Innovation behindert. Die Schweiz ist das innovativste Land, weil wir im Vergleich tiefere Regulierungen haben. Das müssen wir unbedingt beibehalten, auch wenn es um KI geht. Das müsste eigentlich ein Weg sein, ohne dass hier der Staat eingreift.»
Swiss AI Action Plan und globale Positionierung
Ein Jahr nach seiner Lancierung präsentierte digitalswitzerland ein Update zum Swiss AI Action Plan mit greifbaren Massnahmen: Über 500 Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung haben 23 konkrete Massnahmen erarbeitet.
«Wenn wir in die Welt blicken, sehen wir unterschiedliche Strategien: Die USA fokussieren auf den Ausbau der Vormachtstellung, die EU auf Risikominimierung und Regulierung, Grossbritannien auf Sicherheit und Singapur auf Bildung», sagte Franziska Barmettler, CEO von digitalswitzerland. «Der Schweizer Weg sollte für uns auf den bestehenden Stärken und dem Erhalt schweizer Werte wie Vertrauen und Verlässlichkeit aufbauen.»
Als konkrete Schweizer Beiträge zum globalen KI-Ökosystem wurden am Forum das ETH-Projekt Apertus sowie der offizielle Partner-Event von digitalswitzerland am Geneva AI Summit 2027 vorgestellt: Am CERN wird die Dachorganisation bei einem grossen Event Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zusammenbringen.
Weckruf nach Bern: Digitale Infrastruktur und Stromversorgung
Neben der Zuversicht richtete digitalswitzerland auch einen Appell an das Schweizer Parlament, im Rahmen der aktuellen Budgetdebatten die digitale Infrastruktur nicht zu vernachlässigen. Die Schweiz hat über 180 Millionen Franken in die e-ID und die Vertrauensinfrastruktur swiyu investiert.
«Wir brauchen einen Weckruf in Bern. Die Sicherung von Investitionen in fundamentale digitale Infrastrukturen, von der e-ID über Datenstandards bis zur Digitalisierung im Gesundheitswesen, ist nicht verhandelbar», sagte Franziska Barmettler.
Bundesrat Albert Rösti hob zudem die Rolle der Energieversorgung hervor: «Die Zielsetzung im Infrastrukturdepartement ist klar: Wir müssen verlässlich für eine zukunftsfähige digitale Infrastruktur in der Schweiz sorgen. Genügend Strom wird die absolut entscheidende Komponente sein. Gleichzeitig brauchen wir KI auch zwingend im Energiesektor selbst, um das dezentrale Netz zu optimieren und Kosten zu senken. Die Schweiz ist ein hervorragender KI-Standort, unter anderem deshalb, weil wir die Stromversorgung sichern.»
Andreas Meyer, Präsident von digitalswitzerland betonte am Event: «Digitale Transformation braucht mutige, gemeinsame Investitionen von Bund und Privaten. Nur so sichern wir die Selbstbestimmung unseres Standorts und verhindern ungewollte Abhängigkeiten.»
Service Public, Demokratie und AI Literacy
Ein weiterer Höhepunkt war die Keynote von SRG-Generaldirektorin Susanne Wille zur Rolle der Medien im KI-Zeitalter. «Vertrauen ist die Währung der journalistischen Medien und des öffentlichen Medienhauses SRG. Um sich in der heutigen Informationsfülle zurechtzufinden und Fälschungen zu erkennen, braucht es Medien- und KI-Kompetenz in der Bevölkerung. Ein verlässlicher, digitaler Service Public gehört zur Sicherheitsinfrastruktur unseres Landes wie Wasser und Energie», sagte Wille.
Um den gesellschaftlichen Rückhalt für KI zu stärken, kündigte digitalswitzerland in Zusammenarbeit mit SRG SSR der Bundeskanzlei und weiteren Partnern den Start einer landesweiten AI Literacy Campaign für 2027 an. Nach dem Kompass «Verstehen – Nutzen – Reflektieren» soll über eine Million Bürgerinnen und Bürger erreicht werden, um praktische KI-Fähigkeiten und kritische Reflexion in der direkten Demokratie zu verankern.
Hochauflösende Bilder vom Anlass finden Sie hier:
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